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Das Mittelalter


Wissenswertes

Hexenprozesse


Die Hexenverfolgung und Hexenprozesse



Das Thema Hexenprozesse und Hexenverfolgung vermag leicht mehrere Bücher zu füllen.
Zu komplex, zu weit greifend und zu lange zog sich dieses Phänomen durch die Jahrhunderte, als das man mit wenigen Worten auch nur Ansatzweise alle Aspekte erfassen und zufriedenstellend betrachten könnte.
Hin und wieder mag das Gefühl aufkommen, ein Aspekt wäre unvollständig bearbeitet oder läst einfach zu viele Fragen offen.
Oder wurde überhaupt nicht angefasst.
Das ist dann auch so.
Bei Interesse und offenen Fragen, empfiehlt sich ein Besuch in der Bibliothek oder im Buchfachhandel.

Wir wollen uns daher Mühe geben, die wesentlichen Aspekte kurz zu skizzieren.

Wie wir schon wissen, betrachten wir das Mittelalter von 750 - 1450.
Wobei es nur wenig Ansätze gibt, das Mittelalter bis in das 19. Jh. zu definieren.
Somit liegt der geschichtliche Schwerpunkt der Hexenverfolgung keineswegs im Mittelalter.
Ganz im Gegenteil
Die Hexenverfolgung erstreckt sich über einen Zeitraum von fast 600 Jahren.
Und es war wohl auch weniger eine konkrete Verfolgung von Hexen, als eher von jenen, die im Glauben abtrünnig waren.
Wohl erst später entwickelte sich eine Art von Massenhysterie, die dann im Rahmen des einfachen Lebens Ursachen für extreme Unbilligkeiten in eben der Ausübung von Magie / Hexerei sahen.
Die Anfänge dieses Phänomens finden wir im Mittelalter.
Seine Blütezeit jedoch im 15. Jh. bis 18.Jh.
Auch die Methoden des Hexenhammers oder gar die, der Autor darf sagen: barbarischen Foltermethoden der späten Inquisition, welche heute noch als Glaubenskongregation (Vorsitzender: Bischof Karl Ratzinger) der Kirche existiert, treffen keineswegs auf den Zeitraum des Mittelalters zu.
Die Folter ist eher eine Erfindung der Rennseance und des Barock. Aber nicht des Mittelalters.
Zur Findung einer Schuld waren ursprünglich Eid und Eideshelfer, Schreileute, Selbstverfluchung und Gottesurteile in Gebrauch.
(Hierbei muss der Vollständigkeit halber angemerkt werden, das der Atavismus der religiösen Aufklärung Gottesurteile verbot.)
Die Folter setzte wohl erst mit dem Hexenhammer ein.
(Wir werden noch ein wenig recherchieren, ob wir einen Beleg für die erste, dokumentierte Folter im Zeitraum des Mittelalters im Zusammenhang mit der Schuldfindung finden können.) Eine "peinliche Befragung" im Mittelalter war bereits das Verhör, aufgehängt an den Händen.
Sehen wir uns die Datierung von Folterwerkzeugen einmal an, werden wir feststellen, das diese überwiegend aus der Zeit der Rennseance und des Barock stammen.
Allerdings hat in den letzen 200 Jahren des Mittelalters bereits die Hexenverfolgung eingesetzt.
Wobei sich der Hexenwahn nur langsam verbreitete
Der Vollständigkeit halber setzen wir bei diesen Erläuterungen nicht die zeitliche Grenze 1450 für das Mittelalter an.
Verständlicher weise neigen wir Menschen dazu, dieses Phänomen und seine Auswüchse gerne in das Dunkle Zeitalter, eben in das Mittelalter, zu reden, doch die letzte, offiziell beurkundete Verurteilung und Verbrennung ist noch keine 200 Jahre her!
Noch vor wenigen Jahren hätten wir sagen können, "das war im letzten Jahrhundert!"
Um das ganze Phänomen ausreichend zu beleuchten, wollen wir uns mit den folgenden Punkten beschäftigen.

Vorgeschichte


Das Phänomen der Hexenverfolgung ist wohl älter als das Mittelalter.
Allerdings änderte sich im Laufe des Mittelalters die Sichtweise der Hexerei und die Parameter selbiger.
Zu Beginn, bis etwa 11 Jh. war es seitens der Kirche und auch durch Verbot Karl I. (Karl verbot in seinen Kapitularien den Hexenglauben bei Todesstrafe) verboten an Hexerei zu glauben.
In Freising wurden drei Frauen vom Volk verfolgt und getötet. Diese drei Frauen wurden von der Kirche zu Märtyrern erklärt!
Erst ab dem 11 Jh., mit der scholastischen Ausbildung der theologischen Wissenschaften, veränderte sich das Bild der Hexe.
(siehe auch: rechtliche Definition der Hexe / des Hexers.)
Im Volk allerdings ging ein Aberglaube um, der hin und wieder zu einer Verfolgung und Tötung von Menschen führte, was wohl in dem großen Komplex der Hexerei zu betrachten ist.
Grundsätzliche Ursache war möglicherweise alt hergebrachter Aberglaube der alten Religionen, gegenwärtige Ausübung der alten Religionen, vermischt mit dem Christentum.
Ein alter Aberglaube über das Ende der Welt, eine undogmatische Deutung der Apokalypse, sah eine grausame Schreckensherrschaft durch den Antichristen vor, die die letzten drei Jahre vor dem Ende der Zeit dauern sollte.
Dieser volkstümliche Aberglaube hatte sich seit der Spät-Antike im Volk weit verbreitet. Möglicherweise war die erbarmungslose Angst vor dem Antichristen im Volk, basierend auf diesem Schreckensbildnis, ein Teil der Ursachen der Hexenverfolgung.


Inquisition und Hexenverfolgung

  • Definition u. gesicherte Erkenntnisse zur Inquisition

      Die Inquisition ist bei weitem Älter als die Hexenverfolgung.
      Die Inquisition = Befragung war in erster Linie dazu geschaffen, vom echten Weg des Glaubens Abgekommene zu befragen , wobei hier keineswegs eine peinliche Befragung gemeint ist. Ihr Ziel war es, diese, im Zweifel durch Inhaftierung, und durch Gespräche wieder auf den rechten Weg zu bringen .
      Hier waren in erster Linie Häretiker die Zielgruppe.
      Zum Zeitpunkt der Entstehung der Inquisition war der Hexenglauben durch die Kirche noch verboten.
      (Die Kirche betrachtete dies eher mit einem väterlichem Schmunzeln.)
      Die hier Tätigen waren gut geschulte Dialektiker und Rhetoriker.
      Einer der Gründe, warum dem Dominikaner Orden 1231 das Inquisitionsgericht anvertraut wurde.

    Die Inquisition wurde auf dem 4. Lateranischem Konzil (1215) von 1300 Prälaten beschlossen
    Die Aufgabe der Inquisition war aber mit Nichten die Hexenverfolgung.

    Die Aufgabe der Inquisition war in erster Linie in der Bewahrung des Glaubens zu sehen. Und das Zurückführen der vom rechten Weg des Glaubens Abgekommenen.
    Und bei Uneinsichtigkeit auch deren Bestrafung. In diesem Zusammenhang ging es allerdings in erster Linie um die Buße, nicht um Strafe im Sinne von Vergeltung
    Es wird sogar davon berichtet, das Einsichtige und Bußfertige von der Strafe befreit wurden.
    Zwingend gehörten natürlich auch jene Menschen dazu, welche sich, nach der damaligen Sicht der Dinge, mit dem Teufel einließen.
    Also, die Aufgabe der Inquisition war NICHT die Hexenverfolgung, auch wenn sie diese vorantrieb.
    Auch die Verbrennung von Abtrünnigen im Glauben dürfen wir nicht als Strafe im Sinne von Vergeltung sehen.
    In erster Linie ging es um das Seelenheil des Verurteilten!
    Für uns, die wir das Ewige Leben im Paradies nicht gegenwärtig als Realität in unserem Alltag erleben, ist die Todesstrafe eine grausame Sache. Für den wirklich religiösen Christen,(wohl auch heute noch) ist der Verlust der Möglichkeit in das Paradies einzugehen um ein vielfaches grausamer.
    Eine Läuterung und Buße, egal welcher Art, also auch der Feuertod, mag diesen Menschen erheblich lieber gewesen sein, als der Verlust des Paradieses.
    Die unsterbliche Seele, das ewige Leben, war bedeutender als das zeitliche Leben im Hier und Jetzt.
    Bestraft wurde auch nicht von der Inquisition.
    Nach Verurteilung wurden die Schuldigen der Weltlichen Herrschaft übergeben.
    Eine Strafe für ein Vergehen war durchaus zusätzlich zu erwarten, wenn es denn ein Verbrechen gegeben hatte, das eine Vergeltung erforderte.
    Feuer und Wasser dürfen wir auch nicht aus der Sicht betrachten, einen möglichst grausamen Tod zu verursachen. Es ging hier wohl eher um die Läuterung.
    Denn Feuer wie auch Wasser hatten einen symbolischen und auch reinigenden Charakter!
Wir möchten hier keineswegs etwas schön reden, oder bagatellisieren! Wir möchten lediglich, das dieses Phänomen nicht in eine ferne Vergangenheit verbannt wird, und die Institutionen als das zu erkennen sind, was sie waren.
Falscher Volksglauben hat zur Hexenverfolgung und manch anderen Dingen in der Geschichte geführt.
Das es genau, wie der Holocaust, der glücklicherweise keine 600 Jahre andauerte, einen Platz in unserer geschichtlichen Erinnerung behält, an einer Stelle, wo es hingehört.
Und es nicht Menschen zuschreiben, wie Heinrich dem Löwe, oder Otto II. oder Friedrich Barbarossa. Oder den Menschen dieser Zeit.

Auch wenn später das Augenmerk vorrangig auf Frauen lag, möchten wir hier deutlich machen, das keineswegs nur Frauen der Inquisition zum Opfer vielen!
Und keineswegs nur arme Bauenmägde!
Auch Edelleute, Ritter und Kirchenmänner vielen ihr zum Opfer.
Aus unserer Sicht ist es eine ....., das unser Augenmerk und unser Bedauern nur einem Geschlecht gilt.
Unter diesem Instrument kamen MENSCHEN ums Leben.
Und wenn wir Ihnen gedenken wollen, so sollten wir an Alle denken.
Denn unsere Menschlichkeit sollte keine Geschlechterschranken kennen, keine Schranken gemacht aus Rasse, Religion, Stand oder sozialem Status.
Täten wir ein Solches, sind die ersten Schritte bereits wieder gemacht.



Hexenverfolgung und Inquisition im Laufe der Geschichte
Der zeitliche Rahmen



Die Grafik zeigt die Zeitalter,
Alte Zeit - bis 750 n.Chr.,
Mittelalter 750 - 1450 n.Chr. und
Neuzeit 1450 n.Chr. bis heute.
Eingebunden und grafisch dargestellt sind hier die Zeiträume der
Hexenverfolgung 1258 - 1811 n.Chr.
und der Inquisition 1486 - 1811 n.Chr. als Werkzeug der Hexenverfolgung .
Hexenverfolgung und Inquisition im Laufe Geschichte: Zeitliche Gegenüberstellung (Hinweis: Die Grafik beginnt im Jahre 0, NICHT die Alte Zeit!)


Die ersten Hexenprozesse und Verbrennungen:

  • - 1258 der erste Hexenprozess
  • - 1258 die erste Hexenverbrennung
  • - 1272 gestand eine Frau in Südfrankreich ohne Einfluss die Buhlschaft mit dem Teufel.
  • - 1275 die erste beglaubigte Hexenverbrennung in Toulouse
  • - 1275 die erste Verurteilung zum Scheiterhaufen durch Hugo de Banyol
  • - 1450 der erste Hexenprozess in Frankreich
  • - 1484 wird die Rechtmäßigkeit auch der Hexenverfolgung durch die Bulle Innosenc VIII. bestätigt.
  • - 1486 Hexenhammer - Malleus maleficarum
    Verfasst von den Dominikanern Kramer und Sprenger. (Welche vermutlich bereits vor der o.g. Bulle diesen Aufgaben nachgingen.)
  • Seinen Höhepunkt findet die Hexenverfolgung in der 2. Hälfte des 17. Jh.
    In katholischen wie protestantischen Gebieten wird die Verbrennung von ca. 100.000 (*3) Menschen befohlen.



Die letzten Hexenprozesse auf europäischem Boden

  • - 1728 letzten Hexenprozesse in Deutschland / Berlin
  • - 1756 Die jüngste bekannte Hexenverbrennung auf deutschem Boden im Kurfürstentum Bayern (Landshut)
    Quelle: nach Wolfgang Behringer.
  • - 1775 in Kempten
  • - 1782 in der Schweiz in Glarus.
  • - 1811 am 21. August 1811 in Reszel (Polen)
    eine Frau namens Babara Zdunk wurde der Hexerei angeklagt und ist wohl dem letzten Scheiterhaufen Europas zum Opfer gefallen.
    (Die Vereinigten Staaten von Amerika klammern wir hier vorsorglich aus)


Die Gesetzgebung zur Hexenverfolgung



Die Hexenverfolgung war nicht, wie man vielleicht annehmen möchte, eine Verfolgung spezieller Personen durch einen Pöbel oder Mob, der sich durch die Jahrhunderte auf der Suche nach der Person einer Hexe befand.
Ach wenn anfänglich Menschen unter dem Vorwurf der Hexerei, trotz Verbotes der Obrigkeit, vom Volk getötet wurden.
Solches ist zwar belegt, war aber doch die Ausnahme.
Die Sache ging von wohlüberlegten und fundierten Rechtsvorschriften aus und das Ziel war nicht speziell DIE HEXE sondern ganz im allgemeinen Menschen, die vom rechten Weg des Glaubens abkamen, zwingend natürlich, und später auch speziell jene, welche einen Pakt und eine Buhlschaft mit dem Teufel hatten.
Die Vorschriften hier wurden über die Jahrhunderte immer umfangreicher und detaillierter.

    1484 wird durch die Bulle Innosenc VIII (Summis desiderantes affectibus) die Rechtmäßigkeit auch der Hexenverfolgung bestätigt.


    Die Einrichtung des Hexengerichts folgt.
    Es vergingen fast 300 Jahre, vom ersten offiziellem aufkeimen und dem neuen Gedankenkonstrukt bis zur Einschaltung dieses Instrumentes.
    Nicht mehr Eid und Eideshelfer oder Selbstverfluchung, sondern meist ein unter Folter erzwungenes Geständnis, werden zur Urteilsfindung herangezogen! Trotz der Warnung von Theologen und kirchlichen Amtsträgern vor der Meinung, Männer und Frauen, (aber auch Tiere) könnten böse Macht ausüben, nachdem sie mit dem Teufel einen Pakt schlossen, mit dem Versprechen die eigene Seele nach dem Tode gegen übernatürliche Fähigkeiten im Leben zu tauschen, kam es 1484 durch Innozenz' VIII zur Bulle Summis desiderantes affectibus. Der kirchlichen Institutionalisierung der Inquisition.
      Die Dominikaner Sprenger und Kramer wurden von Innosenc VIII. durch die Bulle Summis desiderantes affectibus beauftragt:
      >...gegen jegliche Person, ungeachtet Ihres Ansehen und Ihres Standes, gemäß den Vorschriften der Inquisition vorzugehen und jene, die sie für schuldig befunden haben, zu züchtigen, mit Geldbussen zu belegen, einzukerkern, und zu bestrafen, wie ihre Verbrechen es verdienen, wobei die Strafe dem Verbrechen gerecht werden muss. <

    Der Hexenhammer - Malleus maleficarum von 1486/1487

    • Die Kölner Dominikaner Institoris Kramer und Sprenger verfassten diese Prozessordnung.
    • Eine Hexenprobe (auch Hexenbad), ein 'Gottesurteil' sollte entscheiden, ob es sich um eine Hexe handelt.
      • Das Bestehen einer solchen Probe führte in der Regel zum Tod. Ausgehend von der Theorie, das eine Hexe oder ein Hexer, also jemand, der mit dem Teufel im Bunde stehe und über übernatürliche Kräfte verfüge, in einem Wasser nicht untergehe, selbst mit gebundenen Händen und Füssen, war ein Bestehen der Probe mit dem eigenen Tode verbunden. Wurde die Probe tatsächlich nicht bestanden, so stand fest, das dies nur mit Hilfe des Teufels möglich war und die / der Angeklagte beendete ihr / sein Leben auf dem Scheiterhaufen.
        (Wobei das für unser Verständnis im Zusammenhang als Gottesurteil etwas widersprüchlich wirkt. Anders herum, also schuldig, wenn man untergeht und unschuldig wenn man nicht untergehen würde, wäre wohl eher ein Gottesurteil.)


    Die Strafen



    Grundsätzlich ist anzumerken, das die Todesstrafe für viele Delikte zum tragen kam.
    Eine der Todesstrafen war das Verbrennen oder Rösten.
    Um die Sache zu verdeutlichen machen wir einen kleinen Abstecher in den mittelalterlichen Strafprozess, oder besser in die Strafprozessgewohnheiten der Zeit vor dem 20. Jh.!
    Die Strafen fanden Anwendung bei Frau und Mann.
    Eine Ausnahme soll häufig das Hängen von Frauen gewesen sein. Was man unterlies, damit ihr die Schmähung des unter den Rock Schauens erspart bliebe.

    Damals wie heute ist man sich sicher, das der Tod nicht durch das Verbrennen, sondern durch Ersticken eingetreten ist.
    Der Aufbau von Scheiterhaufen, die die verschiedensten Formen hatten, welche man von Abbildungen und Beschreibungen her kennt, läst vermuten, das dies Absicht war.

      Die verschiedenen Todesstrafen


      (Jene Strafen, die hier zur Anwendung kamen)
    • Verbrennen
    • Rösten
    • Hängen
    • Enthaupten
    • Schmäuchen (vorwiegend bei Brandstiftern und Mordbrennern)
      Anwendung bei folgenden Delikten:
    • Zauberei
    • Pakt und Buhlschaft mit dem Teufel (Hexerei)
    • Ketzerei
    • Schwere Unzucht
    • Sodomie
    • Mord
        als spiegelnde Strafen bei
        • Brandstiftung
        • Mordbrand

    Verbrennen, Rösten, Schmäuchen und Hängen waren zugleich auch Ehrenstrafen.
    Das Verbrennen allein als Strafe hat verschiedene Aspekte und Ursprünge,
    die wohl auch im alten Aberglauben zu finden sein können.
    • Die eigentliche Strafe war das völlige auslöschen des Verurteilten.
      Die Strafe war erst vollzogen, wenn die Asche in alle Winde verstreut wurde. (Wahlweise auch in Flüsse). Es gab für den Verurteilten keine Bestattung und das Ziel der Verbrennung war eben das völlige Entfernen der Person aus allen Lebensbereichen der Menschen.
    • Feuer und Wasser hatten auch einen reinigenden Charakter. Damit kann man vermuten, das die Verbrennung auch eine Läuterung und Reinigung der Seele als Ziel hatte, damit der Verurteilte, besser seine ewige Seele, gereinigt und geläutert in das Himmelreich eingehen könne.
    Die Tötung, als auch hier speziell die Verbrennung, war also keine Strafe, die man sich neu und speziell für Hexen ausgedacht hatte, sondern war fester Bestandteil des Strafrechtes über viele Jahrhunderte hindurch. Sie kam also nicht nur im Mittelalter und nicht nur bei Hexen zur Anwendung.
    Als besondere Gnade wurden die Verurteilten, hier allerdings vorwiegend Frauen, häufig vor der Verbrennung erdrosselt oder Ihnen wurde später (nach Einsatz des Schießpulvers) ein Beutelchen Pulver umgehängt, das durch das Feuer explodierte und den Tod herbeiführte.
    Hierfür gibt es unterschiedliche Ansätze
    • Oft wurde das im Geheimen getan, so, das das umherstehende Volk dies nicht wahrnehmen konnte.
    • Anderen Orts war das Erdrosseln eine selbstverständliche Angelegenheit vor der Verbrennung.
    Bei verschiedenen Delikten war es durchaus üblich, mehrere Strafen zu verhängen, und diese dann auch nacheinander zu vollstrecken.
    Beispiele
    • Einem Gemeinem Dieb wurden unter Umständen die Hände abgehackt.
    • Einem Meineidigem zuvor die Schwurfinger abgehackt. Später (17. - 18. Jh. auch die Zunge ausgerissen)
    • Auch ist bekannt, das ein Gehängter im Nachhinein noch verbrannt wurde.

    Die Folter



    Die Folter war mit Nichten ein willkürliches Werkzeug, das nach Gusto Verwendung gefunden hat.
    Für die Folter gab es ganz klare Regeln.
    Die Befragung musste unter anderem bei trockener Haut also unblutig durchgeführt werden.
    Die Folter war ein Bestandteil der Befragung, nicht die Befragung selbst.

    Zudem war das Geständnis, das unter der Folter zustande kam NICHT wirksam! Es musste hinterher, ohne weitere äußere Einflüsse vom Beschuldigtem wiederholt werden .
    Allerdings ist auch bekannt, das es in dem einem oder anderem Fall schlicht und ergreifend vergessen wurde.

    Die Abstufungen der Befragung

    • Das Gespräch
        Zuerst wurde in einem normalem Verhör, von dialektisch und rethorisch geschulten Kirchenmännern, ab 1231 vornehmlich Dominikanern, der Beschuldigte befragt.
        Ziel der Befragung war entweder zu erkennen, ob der Beschuldigte etwas verbarg, somit also vermutlich schuldig war, oder nicht.
    • Die Androhung
        Dem Beschuldigtem wurde deutlich gemacht, das er sich in der Gefahr befindet, der Folter unterzogen zu werden, so er nicht geständig ist.
    • Die Vorführung
        Dem Beschuldigtem wurden die Folterwerkzeuge gezeigt, und beschrieben
    • Die ausführliche Beschreibung
        Dem Beschuldigtem wurde in aller Ausführlichkeit die Anwendung der gezeigten Gerätschaften und dessen Wirkung an Ihm persönlich beschrieben
    • Die Folter
        Die Folter selbst unterlag wieder Vorschriften in der Reihenfolge der Anwendung, dem Maß und dem Grad



    Die rechtliche Definition einer Hexe / eines Hexers



    Mit dem Einfluss der Scholastik (um 1100) gewann die ableitende Betrachtungsweise Gewicht in der philosophischen Betrachtung des Glaubens.
    Mann stellte sich die Frage, ob wohl Dämonen und Menschen in der Lage waren sich zu paaren und kam zu dem Schluss, das dies wohl möglich sein müsse
    Man hatte hier ganz klare und detaillierte Vorstellungen, die Teilweise auch von Berichten herrührten.
    Ausgehend von dem Umstand, das Dämonen, ebenso wie der Teufel selbst, geschlechtslos seien, und eben auf Grund der vorliegenden Berichte, gewann man die Erkenntnis, das der Teufel und Dämonen sich in Ihrer Gestalt veränderten und somit einen weiblichen (Succubus) und einen männlichen (Incubus) Gegenpart darstellen konnten.
    Wenn dies nun möglich war, dann war es dringend erforderlich festzustellen, ob es auch zu solchen Vorfällen gekommen ist.
    Die Darstellungsweise hier ist zwar unvollständig, trifft aber den Kern. Eine absolut schlüssige und kausal eindeutige Kette.
    Dies wiederum hatte zur Folge, das man die Hexerei wie folgt definierte, was auch den Unterschied zwischen Hexerei und Zauberei deutlich macht.
    Eine neue Hexenvorstellung war geprägt
    In wieweit diese neue Vorstellung der Hexerei nun noch mit seinen Ursprüngen übereinstimmt, ist wahrscheinlich schwer festzuhalten.
    • Ein Bündnis mit dem Teufel musste vorhanden sein.
    • Eine absolute Vereinigung, auch körperlich musste vorhanden sein. Man ging davon aus, das dies nur durch die körperliche Vereinigung im Geschlechtsakt möglich war.
    • Daraus ergaben sich zwei entscheidende und markante Voraussetzungen.
      • Der Pakt
      • Die Buhlschaft
      beides musste nachgewiesen werden!

    Ursache für die peinliche Befragung



    Grundsätzlich waren Eid und Eideshelfer oder die Selbstverfluchung für die Wahrheitsfindung durchaus ausreichend.
    In diesem schwerwiegendem Fall war aber dem Eid nicht mehr zu trauen.
    Eide wurden häufig auf Relikien, Schreine oder ähnlich heilige Gegenstände geleistet.
    Es ist wohl einsehbar, das man einem solchem Eid nicht trauen kann, wenn der Beeidende mutmaßlich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte.
    Ergo musste ein anderer Weg für die Wahrheitsfindung erdacht werden.
    Das ganze Ausmaß der Beschuldigung konnte nur Eindeutig und sicher durch ein Geständnis belegt werden oder aber durch den Fingerzeig Gottes.
    Die bloßen Aussagen von möglichen Augenzeugen wollte man hier nicht uneingeschränkt zulassen.

    Somit kam es zu den folgenden Beweismitteln im Hexenprozess
    • Zuerst einmal zu der sogenannten Hexenprobe
    • Im späterem Verlauf zur sogenannten peinlichen Befragung
    • und dann zur Folter.


    Der Begriff Hexe und seine möglichen Ursprünge

    • Andere verwandte Bezeichnungen finden wir auch schon in antiken Darstellungen.
    • Im Lateinischen gibt es z.B. das Wort "strix", was auch "Eule" bedeutet.
        Die Bibel spricht von
      • bacularia = Besenreiterin,
      • lamia = Nachtungeheuer,
      • venefica = Giftmischerin.
    • Die Herleitung des Wortes Hexe stützt sich vermutlich auf das Wort hagazussa (althochdeutsch) = Zaunreiterin.
    • Eine weitere Herleitung oder Deutung teilt das Wort in hag = Hecke und in zussa = die Schädigende.


    Vermutlicher Ursprung der Hexenverfolgung



    (siehe auch rechtliche Definition einer Hexe / eines Hexers)
    Zu Vorderst möchten wir anfügen, das es eine Menge Begründungen gibt, die die Sache mehr in persönlichen Ambitionen einzelner , einfacher Menschen sehen. Doch eine Weltverschwörung all jener, die irgend Jemanden loswerden wollten, oder aber eine Abneigung gegen jemand Anderen hatten, scheint doch weit hergeholt.
    Auch ist das Thema nur mit Vorsicht zu behandeln. Den ganzen Prozess muss man in seiner Entwicklung eingebettet in Geschichte von Jahrhunderten sehen.
    Viele einzelne Aspekte führen hier zu einer Entwicklung, die gar nicht anders hätte sein können. Und auf Grund all der vorhergehenden Ereignisse eigentlich nur dieses Phänomen zu Folge haben konnte.
    Wenn man will, sozusagen ein Entwicklungsschritt der Menschheitsgeschichte.
    Ein ungeheuer komplexes Konstrukt von Ereignissen, Entscheidungen, Umständen, Verhältnissen, Weltsichten, Entwicklungen und Menschlichkeit haben zu diesem Phänomen geführt.
    Im Folgendem wollen wir versuchen einen möglichen Abriss zu skizzieren.
        Herleitung des Wortes Magie
      • Im NT(*1) finden wir den Bericht über die drei Weisen (griech.: magoi) aus dem Morgenland als Bezeichnung.
      • Eine andere Geschichte / Legende erzählt, ein Mann namens Simon Magus habe zu Zeiten Jesu in der Nähe Jerusalems als Taschenspieler und Illusionist sein Geld verdient. Als er von den Taten Jesu hörte, wandte er sich diesem zu, und schlug ihm ein Geschäft vor, was so etwas wie eine Gebietsschutzabsprache ergeben sollte und den Austausch von einigen Tricks.
      Im allgemeinen wird sowohl im AT(*2) wie auch im NT die Magie als völlig unvereinbar mit dem Eingottesglauben Israels und der Botschaft des NT hingestellt.
      Auch die Väter der Kirche lehnen die Magie ab
      • als unnütze Scharlatanerie,
      • da Werke Gottes und Magie in Widerspruch zueinander stehen.
        wobei es sich bei diesen beiden Punkten wohl um unterschiedliche Zielgruppen handelte.
    Die Hexerei rüttelt an den Grundfesten des Gedankens, der Allmächtigkeit Gottes.
    Sie bedroht mit dem Antichristen die Existenz der Welt.
    Da das Christentum Phänomene, in welchen der Volksglaube Geistwesen, mythische Wesen oder verborgene Kräfte als Ursache sah, dem Teufel und seinen Helfern zuschrieb, war somit alles was dem Rahmen der Magie zuzuordnen war, des Teufels Werk.
    Ebenso wurden die Götter der Religionen, welche nicht dem Christentum entsprechen, als Dämonen oder Helfer des Teufels deklariert.
    Anzumerken ist, das die ganze Welt von allerlei mystischen Wesen bevölkert war .
    Diese Wesen wurden zwei Gruppen zugeordnet. Den >GUTEN< und den >BÖSEN<
    Jene, welche dem Herren dienten, und jenen, welche seinem Widersacher dienten.
    (Bei genauerer Betrachtung der Weltkarten sehen wir derartige Wesen am Rande der Karten immer wieder.)
    Zudem bedrohten sie die Welt, aus der Weltsicht und dem Verständnis der Menschen damals, tatsächlich.
    Die Macht des Antichristen wuchs mit jedem Paktierer und jeder Paktierer bedrohte somit die Existenz der ganzen Welt!
    Zu diesem Zeitpunkt waren Sie die Erzfeinde jedes gläubigen Christen.
    Die Religiöse Überzeugung und der unaufgeklärte Verstand musste für die Dinge des alltäglichen Lebens, die nicht erklärbar waren, Gründe finden. Es mussten Ursachen und Schuldige her. Mangels wissenschaftlicher Erkenntnisse wurden Phänomene, die durchaus natürlichen Ursprungs waren, aber als solche zu dieser Zeit nicht zu erkennen waren, übernatürlichen Kräften zugeordnet.
    Nun gab es aber nur zwei Mächte, die über übernatürliche Kräfte verfügten. Gott und seinen Widersacher, den gefallenen Engel Luzifer.
    Aus den Ursprüngen der christlichen Religion leitete sich her, das Gott wohl eher weniger mit Menschen paktiere, um Ihnen übermenschliche Kräfte zuzusprechen, mit denen sie böses taten. Ergo bliebe nur Luzifer.
      Ein Gedanke zum Verständnis
    • Wir vermögen heute, mit unserem aufgeklärtem Verstand und mit unserem geschultem Intellekt kaum mehr nachzuvollziehen, wie die Menschen damals zu solchen Überzeugungen gelangen konnten.
      Bemühen wir uns allerdings, all unsere Theorie einmal beiseite zu lassen, uns in die absolute Gläubigkeit an Gott und sein Wirken zu denken, so sind die Schlüsse, die auch einem Kausalitätsprinzip folgen, unausweichlich.
      Erst wenn wir diesen Glauben beschränken, oder zumindest das Verständnis für diesen Glauben verändern, und unser, von anderen erzähltes Wissen, hinzuziehen, können wir diese Kausalitätsketten in Frage stellen.
      Vielleicht kommen in 2000 Jahren die Menschen daher, und sagen über uns, wie konnten wir nur so borniert sein, diese universelle Wahrheit anzuzweifeln und all das Schlechte auf der Welt geschehen lassen.
      Denn auch wir haben, genau wie die Menschen damals, nur das, was uns von anderen erzählt wird. Niemand von uns ist um den Mond geflogen. (Böse Zungen behaupten tatsächlich, niemand!). Die Menschen damals GLAUBTEN an den allmächtigen Gott. Wir GLAUBEN heute an die Wissenschaft, die Werbung und die Medien.


Das Wirken der Hexerei



Nicht immer stand die Beschuldigung im Zusammenhang mit einem Aspekt der Ausübung von Magie oder straffrechtlichen Delikten.
Äusserungen und Umstände konnten auch zu einer Verdächtigung führen .
Doch stand der Verdacht doch häufig in Zweisamkeit mit dem Wirken oder direkt mit einer Tat, die auch ohne Hexerei bereits die Todesstrafe in's Kalkül zog.
Es waren in der Tat also auch häufig Verbrecher, denen man hier zusätzlich, oder als Ursache dafür, eines solchen Verbrechens fähig zu sein, die Hexerei vorwarf.
Einige Aspekte des Wirkens, des Bösen, was man der Hexerei zuschrieb, war unter anderem:
  • Das Verführen eines Kirchenmannes
  • Das Verhageln einer Ernte im Sommer
  • Das Abbrennen eines Hauses durch Blitzschlag ohne Gewitterwolken
  • Das unerklärliche Sterben einer guten Milchkuh
  • Das Verschwinden von Kindern
  • Schändungen
  • Das verhexen von Menschen und Tieren
  • Der Mord
  • Mordbrennen
  • Relikien u. Kirchenschändung
  • Besonders grausame Verbrechen . (Wobei wir grausam nicht nach unserem heutigem Maßstab bewerten dürfen.)
  • ...u.v.m.



Das Ende der Hexenverfolgung

    Die Veränderung der Gesetze des aufgeklärten Absolutismus um die Mitte des 18. Jh. führte das Ende der organisierten Verfolgung Andersgläubiger, speziell auch der Hexen, Häretiker und Ketzer herbei.
    Das Ende trat aber nicht plötzlich ein, sondern war eher der Anfang vom Ende.
    Auch dies war ein schleichender Prozess, der letztendlich, nach aktuellem Sach- und Kenntnisstand seinen Schluss im Jahre 1811, mit dem letztem bekanntem Opfer dieses Phänomens fand.

(*1)NT = Neues Testament (die Heilige Schrift / Bibel)
(*1)AT = Altes Testament (die Heilige Schrift / Bibel)
(*3) Quellen mit unterschiedliche Zahlen. Keine sichere Angabe.
Fussnote:
Da die Zahlenangaben in diesem Zusammenhang sehr stark schwanken, haben wir uns entschlossen, möglichst von diesen Zahlen hier Abstand zu nehmen. Die Zahlen, der in diesen 600 Jahren, durch die Hexenverfolgung und Inquisition umgekommen Menschen, schwanken von einigen 10.000 bis zu mehreren Millionen.
Wenn wir uns allerderdings die Bevölkerungszahlen dieses Zeitraumes vor Augen führen, und auch die Bevölkerungsdichte, relativieren sich diese Zahlen von selbst.
Nach Fedinand Seibt sind bis Mitte des 18 Jh. ca. 100.000 Menschen diesem Phänomen zum Opfer gefallen.


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